Die Scheinmuna
Die sogenannte Scheinmuna war eine Tarnanlage, die im Umfeld von Munitionsanstalten des Heeres errichtet wurde, um Luftangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg fehlzuleiten. Der Begriff „Muna“ steht für Munitionsanstalt, militärische Einrichtungen, die in den 1930er-Jahren im Zuge der Aufrüstung des Deutschen Reiches dezentral geplant und gebaut wurden. Ihr Zweck war die Herstellung, Lagerung und Verpackung von Munition für das Heer. Die Anlagen wurden bewusst fernab großer Städte errichtet, um im Kriegsfall weniger auffällig und besser geschützt zu sein. Mit zunehmender Intensität der alliierten Luftangriffe ab 1940 entstand die Notwendigkeit, diese militärisch wichtigen Einrichtungen zusätzlich zu tarnen. Dafür wurden sogenannte Scheinanlagen – auch Attrappen oder Täuschungsanlagen genannt – errichtet. Sie sollten aus der Luft aussehen wie die eigentliche Munitionsanstalt und Bomberpiloten dazu verleiten, ihre Bomben auf unbedeutende Ziele abzuwerfen. Diese Scheinanlagen bestanden oft aus einfachen Holz- und Pappkonstruktionen, angedeuteten Gebäudestrukturen, künstlichen Straßen oder Lichtattrappen, die nachts eine funktionierende Anlage simulierten. Manche Scheinanlagen wurden sogar so präpariert, dass sie geringfügig Rauch entwickelten oder Beleuchtung imitierte, um die Täuschung glaubwürdiger erscheinen zu lassen.
Auch in Nordrhein-Westfalen existierte eine solche Scheinmuna, die der Ablenkung und Irreführung feindlicher Bomber diente. Während die eigentliche Munitionsanstalt streng bewacht, gut getarnt und teilweise in Waldgebiete eingebettet war, befand sich die Scheinanlage meist in einiger Entfernung und ahmte deren äußere Strukturen nach – jedoch ohne militärische Funktion. Die Tarntechnik war in ihrer Zeit bemerkenswert effektiv: Viele Scheinanlagen im Deutschen Reich wurden tatsächlich bombardiert und verhinderten damit Schäden an den realen Anstalten.
Von der Scheinmuna in Nordrhein-Westfalen sind heute jedoch kaum noch Spuren zu finden. Die leichten Holz- und Tarnbauten verfielen nach Kriegsende rasch, wurden abgeräumt oder sind durch natürliche Vegetation vollständig überwachsen. Lediglich wenige Fundamentreste, Geländemodellierungen oder archivalische Karten deuten noch darauf hin, dass hier einst eine militärische Täuschungsanlage stand. Für die historische Forschung und Heimatkunde bildet die Scheinmuna dennoch ein interessantes Beispiel für die strategische Bedeutung von Tarntechniken im Zweiten Weltkrieg sowie für die Bemühungen, kriegswichtige Infrastruktur vor Zerstörung zu bewahren.


